Buddhismus auf Arabisch: Lwiis Saliba öffnet zwei Fenster zum Universum Buddhas / Von Farouk Ghanem Khaddaj

Womit findet der Buddha im Arabischen Anklang? In zwei prägnanten und zugleich tiefgründigen Büchern gibt Dr. Lwiis Saliba eine Antwort und lädt den Leser ein, eine der beständigsten spirituellen Traditionen der Menschheit aus zwei Perspektiven zu betrachten: der historischen und der kontemplativen.
Die Bücher heißen „So sprach der Buddha: Meditation, Mystik und die Kunst des Lebens“ (Ru’ya Verlag, Kairo, 2025) und „Einführung in den Buddhismus: Seine Geschichte, Lehren und sein Einfluss auf das Christentum und im Land des Islam“ (Librairie etb Editions Byblion, Byblos/Libanon, 2024). Gemeinsam möchten sie dem arabischen Leser den Buddhismus näherbringen, indem sie die üblichen Denkmuster des Orientalismus und oberflächliche Vergleiche überwinden und versuchen, seine Bedeutung aus seinem eigenen intellektuellen und spirituellen Universum heraus zu erfassen.
Dieses Projekt ist Teil von Lwiis Salibas umfassender akademischer Laufbahn. Als Professor für Religionswissenschaft und Islamwissenschaft ist er zudem Forschungsdirektor an der Fakultät für Religionswissenschaft. Sein gesamtes akademisches Schaffen widmet er der vergleichenden Religionswissenschaft, der Mystik und dem religiösen Denken. Sein Werk ist bestrebt, die intellektuelle Auseinandersetzung zwischen der arabischen Welt und den spirituellen Traditionen Asiens zu vertiefen – mit einem ebenso rigorosen wie sensiblen Ansatz.
Buddhismus von innen: Geschichte und Denken
Einführung in den Buddhismus ist primär dem Bereich der historischen und analytischen Religionswissenschaft zuzuordnen. Sein Ansatz basiert auf einer klaren methodischen Entscheidung: Er versteht eine Tradition durch ihre eigenen Kategorien und ihr Selbstverständnis, anstatt durch externe analytische Rahmen.

Saliba beschreibt sein Werk als eine ausgewogene Reise zwischen Prägnanz und Detailreichtum. Ziel ist es, den Buddhismus „von innen heraus“ darzustellen und dem Leser zu ermöglichen, diese Tradition so zu erleben, wie ihre Anhänger sie im Laufe der Geschichte verstanden und gelebt haben.
Aus dieser Perspektive erscheint der Buddhismus nicht länger als exotische östliche Kuriosität, sondern als bedeutende intellektuelle und spirituelle Tradition, deren Einfluss sich auf zahlreiche Zivilisationen erstreckte und das globale Denken der Gegenwart weiterhin prägt.
Die Erzählung beginnt mit dem Leben von Prinz Gautama, dessen Auseinandersetzung mit Krankheit, Alter und Tod ihn auf den Weg zur Erleuchtung führt. Aus dieser grundlegenden Erfahrung entwickeln sich die Vier Edlen Wahrheiten und der Edle Achtfache Pfad, die wesentlichen Säulen des buddhistischen Denkens.
Doch die Faszination des Buches reicht über seine historische Darstellung hinaus. Eine seiner Stärken liegt in seinem Bewusstsein für die Herausforderungen, die mit der Übertragung buddhistischer Konzepte in einen arabischen intellektuellen Kontext verbunden sind. Saliba behandelt Begriffe wie Anatta – gemeinhin mit „Nicht-Selbst“ übersetzt – mit Feingefühl und definiert es als die Abwesenheit eines permanenten und unveränderlichen Selbst, nicht als Verneinung der menschlichen Existenz. Seine Analyse verdeutlicht die Komplexität des Übergangs von einer philosophischen und theologischen Welt in eine andere.
Meditation zwischen Weisheit und Wissenschaft
Während sich das erste Buch auf Geschichte und Lehre konzentriert, wendet sich „So sprach der Buddha“ den praktischen und kontemplativen Dimensionen buddhistischer Weisheit zu. Saliba untersucht darin Meditation nicht nur als spirituelle Disziplin, sondern auch im Lichte aktueller Forschung in Psychologie und Verhaltensmedizin.
Ein Kapitel stellt die direkte Frage: Kann Meditation zum körperlichen Wohlbefinden beitragen? Der Autor stützt sich auf verschiedene Studien und zitiert Forschungsergebnisse, die darauf hindeuten, dass Meditation die Ausschüttung von Endorphinen und Oxytocin beeinflussen kann – Hormone, die mit Entspannung, emotionaler Ausgeglichenheit und allgemeinem Wohlbefinden in Verbindung gebracht werden.
Er erwähnt auch Forschungsergebnisse, die – einigen Vorstudien zufolge – auf eine erhöhte Aktivität bestimmter Immunmechanismen und eine bessere Reaktion auf bestimmte Impfstoffe bei Menschen hinweisen, die regelmäßig meditieren. Diese Beobachtungen sind Teil eines umfassenderen Forschungsfelds zur Stressreduktion und psychosomatischen Gesundheit. Besonderes Augenmerk wird auf die Arbeit des Harvard-Arztes Herbert Benson gelegt, der für seine Pionierforschung zur „Entspannungsreaktion“ bekannt ist. Diese untersucht die physiologischen Auswirkungen meditativer Praktiken und deren Rolle bei der Reduzierung stressbedingter Symptome.
Salibas Ansatz zeichnet sich jedoch durch seine intellektuelle Zurückhaltung aus. Er stellt Meditation nicht als Wundermittel oder Ersatz für medizinische Behandlungen dar. Vielmehr beschreibt er sie als ergänzende Praxis, die, verantwortungsvoll angewendet, die Lebensqualität verbessern kann.
Saliba verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz für Gesundheit und Wohlbefinden. Diese Vorsicht verleiht dem Text wissenschaftliche Glaubwürdigkeit und bewahrt ihn vor den Exzessen, die man in manchen zeitgenössischen spirituellen Diskursen findet.
Das Buch erwähnt auch Studien mit Menschen mit Multipler Sklerose, Brustkrebs oder chronischen Schmerzen und hebt dabei Verbesserungen der Lebensqualität hervor, anstatt therapeutische Versprechen zu machen.
Persönlicher teilt Saliba mit, dass ihm das Schreiben dieses Buches „ein tiefes Gefühl von innerem Frieden und Gelassenheit“ geschenkt habe, und äußert die Hoffnung, dass der Leser eine ähnliche Erfahrung machen möge. Diese Bemerkung offenbart den doppelten Charakter seiner Arbeit: Sie ist sowohl eine wissenschaftliche Studie als auch eine zutiefst menschliche intellektuelle und erfahrungsbezogene Reise.
Zwischen Wissen und Kontemplation
Letztendlich liegt der Wert dieser beiden Bücher in den Fragen, die sie über die menschliche Existenz selbst aufwerfen. In einer Zeit, die von Angst, Ablenkung und ständiger Beschleunigung geprägt ist, laden sie zur Reflexion über das Verhältnis zwischen innerem Bewusstsein und äußerem Wissen, zwischen intellektuellem Verständnis und gelebter Erfahrung ein. Die beiden Bände laufen auf eine zentrale Idee hinaus: Der Mensch kann nicht allein von außen verstanden werden. Es ist außerdem notwendig, ihre innere Bewusstseins- und Sinnlandschaft zu erforschen. Das erste Buch behandelt den Buddhismus als Geschichte und Philosophie, das zweite als Praxis der Achtsamkeit und Kontemplation. Gemeinsam bieten sie dem arabischen Leser einen Zugang zu einer spirituellen Tradition, die Dogmen und Rituale transzendiert und tiefer in das Wesen des Selbst und die Sinnsuche eindringt.
Aus dieser Perspektive beschränkt sich Salibas Projekt nicht auf die Präsentation zweier Bücher. Es ist vielmehr eine Einladung, eine zeitlose Frage neu zu betrachten: Wie können wir uns selbst in einer Welt verstehen, in der Angst dem Verständnis vorausgeht?

Farouk Ghanem Khaddaj ist ein libanesischer Schriftsteller und Literaturwissenschaftler mit Schwerpunkt auf humanistischem Denken.
دار بيبليون